Dauer: 60–90 Minuten • 6 Module • Punktesystem 0–100

MDK-Begutachtung: So läuft der Termin zur Pflegegrad-Einstufung ab

Alles zur MDK-Begutachtung: Wie läuft der Termin ab? Welche 6 Module werden geprüft? Wie wird bewertet? Mit diesen Infos und Tipps sind Sie optimal vorbereitet.

Aktualisiert: Februar 2025 Lesezeit: 12 Minuten

MDK-Begutachtung auf einen Blick

60-90
Minuten Dauer
6
Module werden geprüft
0-100
Punkte Bewertung
1-5
Pflegegrade möglich

📋 Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist die MDK-Begutachtung?
  2. Ablauf des Termins Schritt für Schritt
  3. Die 6 Module im Detail erklärt
  4. Punktesystem: Wie wird bewertet?
  5. Optimale Vorbereitung auf den Termin
  6. Do's & Don'ts beim MDK-Termin
  7. Nach dem Termin: Was passiert?
  8. Häufige Fragen

Was ist die MDK-Begutachtung?

Die MDK-Begutachtung (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) ist eine persönliche Untersuchung zu Hause, bei der ein Gutachter prüft, wie selbstständig Sie noch im Alltag sind. Basierend auf dieser Begutachtung wird Ihr Pflegegrad festgelegt.

Wer kommt? Bei gesetzlich Versicherten der MDK, bei Privatversicherten MEDICPROOF. Der Gutachter ist Pflegefachkraft oder Arzt.

Ziel der Begutachtung:

  • Ermittlung des Pflegegrades (1 bis 5) anhand eines Punktesystems
  • Beurteilung der Selbstständigkeit in 6 Lebensbereichen (Modulen)
  • Dokumentation des aktuellen Pflegebedarfs für die Pflegekasse
  • Empfehlung von geeigneten Hilfsmitteln und Pflegemaßnahmen

Ablauf des MDK-Termins Schritt für Schritt

1

Begrüßung & Vorstellung (5 Min)

Der Gutachter stellt sich vor, erklärt den Ablauf und bittet um Ihre Einwilligung zur Begutachtung. Er fragt nach aktuellen Arztberichten und Medikamenten.

2

Anamnese & Gespräch (15–20 Min)

Fragen zu Ihrer Krankengeschichte, aktuellen Beschwerden, Tagesablauf und Pflegesituation. Der Gutachter spricht auch mit pflegenden Angehörigen.

3

Prüfung der 6 Module (30–50 Min)

Der Kern der Begutachtung: Der Gutachter prüft systematisch Ihre Selbstständigkeit in Mobilität, Kognition, Verhalten, Selbstversorgung, Krankheitsbewältigung und Alltagsgestaltung.

4

Beobachtung & Tests (10–15 Min)

Der Gutachter beobachtet Sie bei alltäglichen Tätigkeiten (z.B. Aufstehen vom Stuhl, Gehen) und führt ggf. kleine Tests durch (z.B. Orientierungsfragen, Gedächtnistests).

5

Abschluss & Ausblick (5–10 Min)

Zusammenfassung, Empfehlungen für Hilfsmittel, Erklärung des weiteren Ablaufs. Der Gutachter verabschiedet sich. Das Gutachten folgt in 1–2 Wochen an die Pflegekasse.

Die 6 Module im Detail erklärt

Die Begutachtung erfolgt anhand von 6 Modulen (Lebensbereichen). Jedes Modul hat eine unterschiedliche Gewichtung bei der Berechnung des Pflegegrades.

1

Mobilität

Gewichtung: 10%

Was wird geprüft? Körperliche Beweglichkeit im Alltag

  • Positionswechsel im Bett
  • Stabile Sitzposition halten
  • Aufstehen aus sitzender Position
  • Sich innerhalb der Wohnung fortbewegen
  • Treppensteigen
2

Kognitive & kommunikative Fähigkeiten

Gewichtung: 15%

Was wird geprüft? Geistige Fähigkeiten und Verständigung

  • Personen aus dem näheren Umfeld erkennen
  • Örtliche Orientierung (Wo bin ich?)
  • Zeitliche Orientierung (Welcher Tag, Monat, Jahr?)
  • Gedächtnis (Kurz- und Langzeitgedächtnis)
  • Mehrschrittige Alltagshandlungen ausführen
  • Entscheidungen treffen
  • Sachverhalte verstehen
  • Risiken erkennen
3

Verhaltensweisen & psychische Problemlagen

Gewichtung: 15%

Was wird geprüft? Verhaltensauffälligkeiten und psychische Probleme

  • Motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten (z.B. Unruhe, Weglaufen)
  • Nächtliche Unruhe
  • Selbstschädigendes Verhalten
  • Beschädigung von Gegenständen
  • Aggressives Verhalten gegenüber anderen
  • Ängste
  • Antriebslosigkeit, Depressionen
  • Abwehr pflegerischer Maßnahmen
4

Selbstversorgung

Gewichtung: 40% ⚠️ WICHTIGSTES MODUL!

Was wird geprüft? Alltägliche Verrichtungen (wichtigstes Modul!)

  • Körperpflege: Waschen, Duschen, Baden, Zahnpflege, Rasieren
  • An- und Auskleiden: Oberkörper, Unterkörper
  • Ernährung: Essen mundgerecht zubereiten, Essen, Trinken
  • Toilettengang: Toilette/Toilettenstuhl nutzen, Intimhygiene
  • Inkontinenz: Umgang mit Ausscheidungen

Achtung: Dieses Modul zählt 40%! Hier sollten Sie besonders detailliert schildern, wo und wie lange Sie Hilfe benötigen.

5

Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen

Gewichtung: 20%

Was wird geprüft? Selbstständiger Umgang mit Therapien und Behandlungen

  • Medikation (Tabletten einnehmen, Insulinspritzen)
  • Arztbesuche organisieren und wahrnehmen
  • Therapien einhalten (Physiotherapie, Ergotherapie)
  • Wundversorgung, Verbandswechsel
  • Blutdruck-/Blutzuckermessungen
  • Umgang mit Hilfsmitteln (Rollator, Brille, Hörgerät)
6

Gestaltung des Alltagslebens & soziale Kontakte

Gewichtung: 15%

Was wird geprüft? Alltagsstruktur und soziale Teilhabe

  • Tagesablauf gestalten und an Veränderungen anpassen
  • Ruhen und Schlafen
  • Sich beschäftigen
  • In die Zukunft gerichtete Planungen vornehmen
  • Interaktion mit anderen Menschen
  • Kontaktpflege zu Freunden, Familie, Nachbarn

Punktesystem: Wie wird bewertet?

Aus den 6 Modulen ergibt sich eine Gesamtpunktzahl von 0 bis 100. Je nach Punktzahl wird Ihr Pflegegrad festgelegt:

Pflegegrad Punktzahl Beeinträchtigung
Pflegegrad 1 12,5 - 27 Geringe Beeinträchtigung
Pflegegrad 2 27 - 47,5 Erhebliche Beeinträchtigung
Pflegegrad 3 47,5 - 70 Schwere Beeinträchtigung
Pflegegrad 4 70 - 90 Schwerste Beeinträchtigung
Pflegegrad 5 90 - 100 Schwerste Beeinträchtigung mit besonderen Anforderungen

Wichtig: Die Module haben unterschiedliche Gewichtungen! Modul 4 (Selbstversorgung) zählt 40% – hier sollten Sie besonders detailliert alle Einschränkungen schildern.

Optimale Vorbereitung auf den MDK-Termin

Eine gute Vorbereitung kann den Unterschied zwischen Pflegegrad 1 und Pflegegrad 2 ausmachen – oder zwischen Ablehnung und Bewilligung. Nehmen Sie sich Zeit für diese Checkliste!

✅ Checkliste für den MDK-Termin:

Do's & Don'ts beim MDK-Termin

✅ DO's – Das sollten Sie tun:

  • Ehrlich sein: Schildern Sie alle Einschränkungen offen
  • Detailliert antworten: "Beim Duschen brauche ich 30 Min Hilfe" statt "Ich komme zurecht"
  • Zeitaufwand betonen: Erklären Sie, wie lange Tätigkeiten dauern
  • Angehörige sprechen lassen: Pflegende kennen den Alltag besser
  • Schlechten Tag zeigen: Nicht den besten, sondern einen typischen schlechten Tag
  • Hilfsmittel zeigen: Rollator, Inkontinenzmaterial, Medikamente
  • Pflegetagebuch vorlegen: Dokumentation überzeugt

❌ DON'Ts – Das sollten Sie vermeiden:

  • Beschönigen: "Ach, es geht schon" schadet Ihnen
  • Zu stolz sein: Falsche Scham kostet Punkte
  • Wichtige Details verschweigen: Inkontinenz, Stürze, nächtliche Unruhe erwähnen!
  • Ohne Vertrauensperson: Alleine vergisst man wichtige Punkte
  • Übertreiben: Bleiben Sie bei der Wahrheit, aber zeigen Sie alle Einschränkungen
  • Arztberichte vergessen: Medizinische Dokumentation ist wichtig
  • Zu kurze Antworten: "Ja/Nein" reicht nicht – erklären Sie Details

Nach dem MDK-Termin: Was passiert jetzt?

Nach der Begutachtung erstellt der MDK ein Gutachten und schickt es an Ihre Pflegekasse. Diese entscheidet dann über Ihren Pflegegrad.

Zeitplan nach dem Termin:

  • 1–2 Wochen: MDK erstellt Gutachten und sendet es an Pflegekasse
  • 3–4 Wochen: Pflegekasse prüft Gutachten und erstellt Bescheid
  • Spätestens 25 Werktage: Sie erhalten den Bescheid per Post
  • Ab Bescheiderhalt: Leistungen werden rückwirkend ab Antragsdatum gezahlt

Tipp: Sie haben Anspruch auf das vollständige MDK-Gutachten. Fordern Sie es bei Ihrer Pflegekasse an, um zu sehen, wie Sie bewertet wurden. Bei Unklarheiten können Sie dann gezielt Widerspruch einlegen.

Häufige Fragen zur MDK-Begutachtung

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