Erfolgsquote: 60% bei guter Vorbereitung

Pflegegrad höherstufen: Mehr Leistungen bei erhöhtem Pflegebedarf

Wenn sich Ihr Pflegebedarf verschlechtert hat, können Sie einen Höherstufungsantrag stellen. Erfahren Sie, wann sich eine Höherstufung lohnt, wie der Ablauf ist und wie Sie Ihre Chancen maximieren.

Aktualisiert: Februar 2025 Lesezeit: 10 Minuten

Was bringt eine Höherstufung? Beispiel: Von Pflegegrad 2 auf 3

+225€
Mehr Pflegegeld
(347€ → 572€)
+871€
Mehr Sachleistungen
(796€ → 1.693€)
+486€
Mehr Tages-/Nachtpflege
(689€ → 1.175€)
2.700€
Mehr pro Jahr
(nur Pflegegeld!)

📋 Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist eine Höherstufung?
  2. Wann sollte ich eine Höherstufung beantragen?
  3. Leistungsvergleich: Was bringt eine Höherstufung?
  4. So stellen Sie den Höherstufungsantrag
  5. Vorbereitung auf die neue Begutachtung
  6. Erfolgsquote & häufige Fehler
  7. Was tun bei Ablehnung?
  8. Häufige Fragen

Was ist eine Höherstufung des Pflegegrades?

Eine Höherstufung bedeutet, dass Sie von Ihrem aktuellen Pflegegrad in einen höheren Pflegegrad wechseln – zum Beispiel von Pflegegrad 2 auf Pflegegrad 3. Dies ist möglich, wenn sich Ihr Pflegebedarf deutlich erhöht hat.

Wichtig: Sie können Ihren aktuellen Pflegegrad nicht verlieren! Im schlimmsten Fall wird der Antrag abgelehnt und alles bleibt beim Alten. Eine Herabstufung ist bei einem Höherstufungsantrag ausgeschlossen.

Mögliche Höherstufungen:

Pflegegrad 1 → 2: +347€ Pflegegeld monatlich
Pflegegrad 2 → 3: +225€ Pflegegeld monatlich
Pflegegrad 3 → 4: +228€ Pflegegeld monatlich
Pflegegrad 4 → 5: +190€ Pflegegeld monatlich

Wann sollte ich eine Höherstufung beantragen?

Eine Höherstufung ist dann sinnvoll, wenn sich Ihr Pflegebedarf deutlich erhöht hat. Typische Anlässe sind:

✅ Typische Gründe für eine Höherstufung:

  • Neue Diagnosen: Demenz, Parkinson, Schlaganfall, Herzinsuffizienz
  • Verschlechterung bestehender Erkrankungen: Fortschreitende Demenz, zunehmende Immobilität
  • Krankenhausaufenthalt: Nach OP, Sturz, Infektion mit langfristigen Folgen
  • Zunehmende Einschränkungen: Rollstuhlpflichtigkeit, Inkontinenz, Bettlägerigkeit
  • Psychische Verschlechterung: Depressionen, Ängste, Verwirrtheit
  • Mehr Hilfe im Alltag nötig: Körperpflege, Ernährung, Mobilität

Wann NICHT beantragen? Wenn sich seit der letzten Begutachtung nichts Wesentliches geändert hat. Ein Höherstufungsantrag ohne echte Verschlechterung wird abgelehnt und verzögert nur die nächste reguläre Begutachtung.

Leistungsvergleich: Was bringt eine Höherstufung?

Je höher der Pflegegrad, desto mehr Leistungen stehen Ihnen zu. Hier der direkte Vergleich:

Leistung PG 2 PG 3 Unterschied
Pflegegeld 347€ 572€ +225€
Pflegesachleistungen 796€ 1.693€ +897€
Tages-/Nachtpflege 689€ 1.175€ +486€
Entlastungsbetrag 131€ 131€ ±0€
Pflegehilfsmittel 42€ 42€ ±0€
GESAMT (Pflegegeld + Tages-/Nachtpflege) 1.036€ 1.747€ +711€

Hochgerechnet auf 1 Jahr: Eine Höherstufung von Pflegegrad 2 auf 3 bringt Ihnen 2.700€ mehr Pflegegeld (nur Pflegegeld, ohne Sachleistungen/Tagespflege). Es lohnt sich also definitiv!

So stellen Sie den Höherstufungsantrag

Der Höherstufungsantrag funktioniert genauso wie der Erstantrag. Sie kontaktieren Ihre Pflegekasse und stellen einen "Antrag auf Höherstufung des Pflegegrades".

Musterformulierung für den Höherstufungsantrag:

[Ihr Name]
[Ihre Adresse]
[Versichertennummer]

[Name Ihrer Pflegekasse]
[Adresse der Pflegekasse]

Antrag auf Höherstufung des Pflegegrades

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit beantrage ich die Höherstufung meines Pflegegrades. Ich bin derzeit in Pflegegrad [aktueller Pflegegrad] eingestuft.

Seit der letzten Begutachtung hat sich mein Pflegebedarf deutlich erhöht. Insbesondere benötige ich nun [kurze Beschreibung, z.B. "mehr Hilfe bei der Körperpflege und Mobilität"].

Ich bitte um zeitnahe Begutachtung durch den MDK.

Aktuelle ärztliche Berichte liegen bei.

Mit freundlichen Grüßen
[Unterschrift]

Tipp: Fügen Sie aktuelle Arztberichte bei, die die Verschlechterung dokumentieren. Das erhöht Ihre Erfolgschancen deutlich!

Vorbereitung auf die neue Begutachtung

Nach Ihrem Höherstufungsantrag meldet sich der MDK erneut für einen Begutachtungstermin. Eine gute Vorbereitung ist entscheidend für den Erfolg!

Die 5 wichtigsten Vorbereitungsschritte:

1 Aktuelles Pflegetagebuch führen

Dokumentieren Sie 14 Tage lang alle Veränderungen seit der letzten Begutachtung. Betonen Sie, was sich verschlechtert hat: mehr Zeitaufwand, neue Hilfen, häufigere Unterstützung.

2 Aktuelle Arztberichte sammeln

Holen Sie sich aktuelle Berichte von allen behandelnden Ärzten (Hausarzt, Facharzt, Krankenhaus). Diese sollten die Verschlechterung dokumentieren (neue Diagnosen, Medikamentenänderungen, Krankenhausaufenthalte).

3 Altes Gutachten anfordern

Fordern Sie das letzte MDK-Gutachten bei Ihrer Pflegekasse an. So wissen Sie genau, wo Sie damals Punkte verloren haben und können gezielt darauf hinweisen, was sich verschlechtert hat.

4 Vertrauensperson organisieren

Lassen Sie beim MDK-Termin eine pflegende Person dabei sein (Angehöriger, Pflegedienst). Diese kann konkrete Beispiele nennen und die Verschlechterung aus ihrer Sicht schildern.

5 Verschlechterung klar benennen

Bereiten Sie konkrete Beispiele vor: "Früher konnte ich noch alleine duschen, jetzt brauche ich bei jedem Schritt Hilfe." "Seit dem Schlaganfall im März kann ich nicht mehr..."

Erfolgsquote & häufige Fehler

Erfolgsquote bei Höherstufungsanträgen:

60%
Mit guter Vorbereitung
35%
Ohne Vorbereitung
75%
Mit Pflegeberater

❌ Die 5 häufigsten Fehler (und wie Sie sie vermeiden):

  1. Zu früher Antrag: Mindestens 6–12 Monate zwischen Begutachtungen warten, sonst wird der Antrag oft abgelehnt ("keine wesentliche Änderung").
  2. Keine aktuellen Arztberichte: Ohne medizinische Dokumentation ist eine Höherstufung fast unmöglich. Holen Sie sich aktuelle Berichte!
  3. Verschlechterung nicht klar dargestellt: Sagen Sie nicht "Es geht mir schlechter", sondern konkret: "Seit dem Sturz kann ich nicht mehr alleine zur Toilette."
  4. Guten Tag erwischt: Zeigen Sie beim MDK-Termin Ihren schlechtesten Tag, nicht den besten. Keine falsche Bescheidenheit!
  5. Alleine beim Termin: Nehmen Sie eine Vertrauensperson mit, die den erhöhten Pflegeaufwand bestätigen kann.

Was tun bei Ablehnung der Höherstufung?

Wenn Ihr Höherstufungsantrag abgelehnt wird, haben Sie die gleichen Rechte wie bei einem Erstantrag: Widerspruch einlegen innerhalb von 4 Wochen.

Widerspruch bei Ablehnung:

  1. Widerspruch innerhalb 4 Wochen einlegen (schriftlich)
  2. MDK-Gutachten anfordern und auf Fehler prüfen
  3. Zusätzliche Arztberichte nachreichen (je aktueller, desto besser)
  4. Pflegeberater einschalten (kostenlos über Pflegekasse)
  5. Sozialverband kontaktieren (z.B. VdK, SoVD) für professionelle Unterstützung

Wichtig: Auch bei Ablehnung behalten Sie Ihren aktuellen Pflegegrad! Sie können den Höherstufungsantrag nach 6–12 Monaten erneut stellen, wenn sich Ihr Zustand weiter verschlechtert hat.

Häufige Fragen zur Pflegegrad-Höherstufung

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